Regionales
Burow
Wie andere friederizianische Kolonistendörfer kann auch Burow bei Menz im alten Kreis Ruppin im Jahre 2003 den 250. Jahrestag seiner Wiederbegründung begehen. Vorausgegangen war dem Ort ein mittelalterliches Dorf, über das jedoch keine urkundlichen Nachrichten vorliegen. Dieses wurde in der spätmittelalterlichen Wüstungsperiode, wie andere Ortschaften der Umgebung auch, vollständig aufgegeben. Erstmals wird die wüste Feldmark Burow (nicht Buberow, wie im Historischen Ortlexikon Ruppin und diesem nachfolgend im Ortsnamensbuch Ruppin angegeben), in einer 1530 abgefassten Aufstellung der Besitzungen des Klosters Lindow erwähnt (Original im Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam).
Der auf einen slawischen Personennamen Bor oder Bur zurückgehende Ortsname ist offenbar übertragen worden, und zwar aus der Prignitz, wo es nördlich von Perleberg ebenfalls ein Burow gibt. Für eine Ortsnamensübertragung spricht, dass die Namen der östlichen und südlichen Nachbarorte unseres Burow (Buchholz, Zernickow, Gr. Woltersdorf, Gramzow, Dannenwalde) in der Umgebung von Perleberg gleichfalls vorhanden sind. Das scheint darauf hinzudeuten, dass das Grenzgebiet zwischen den mittelalterlichen Ländern Ruppin und Stargard im Zuge des hochmittelalterlichen Landesausbaues von Zuzüglern aus der Prignitz aufgesiedelt worden ist.
Nachdem Burow im 15. Jahrhundert wüst gefallen war, dürfte sich seine Feldmark wieder weitgehend mit Wald überzogen haben. Lediglich einige offenbar im Polzow-Tal und dessen nördlichen Seitental bei Burow gelegene Wiesen wurden, wie 1574 belegt ist, noch von einem Menzer Bauern genutzt. Nach der Säkularisation des Klosters Lindow 1541 bildete man aus dessen Besitzungen das Amt (damals: in Staatsbesitz befindliche Grundherrschaft) Lindow. Als dann in der Mitte des 18. Jahrhunderts die friederizianische Binnenkolonisation einsetzte, wurde auch die wüste Feldmark Burow zur Wiederbesiedelung vorgesehen. Es war die Ansiedlung von 20 ausländischen (d. h. nicht aus Preußen stammenden) Familien und die Einrichtung eines kleinen Gutbetriebes vorgesehen, worüber der von 1731 bis 1769 amtierende Menzer Förster Kummer 1753 eine Erbzinsverschreibung erhielt. Bereits im Jahre 1754 waren 13 Kolonisten angeworben und 16 Häuser und das Vorwerk aufgebaut. Letzteres gelangte bereits 1764 an das Rittergut Zernickow, bei dem es bis 1945 verblieb. Das Kolonistendorf Burow wurde nicht genau an der Stelle des mittelalterliches Dorfes angelegt, sondern nordöstlich davon zwischen dem Ende des Seitentales und dem Weg von Zernickow (Alt-)Globsow, der hier zugleich die Grenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg bildete.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es im Verlauf der Intensivierung der Landwirtschaft auf den ertragsschwächsten Ackerflächen jedoch zu umfangreichen Aufforstungen. Vor allem im Nordteil und am Westrand der Gemarkung, aber auch südlich des Dorfes erstreckten sich nunmehr Kiefernforsten.
Heinz-Dieter Krausch